IHK Akademie Schwaben

Vom Halbwissen zu Fakten über E-Mobilität

IHK Akademie-Lehrgang qualifiziert zum Berater für Elektromobilität
Elektromobilität und alternative Antriebe liegen voll im Trend. Doch was auf den ersten Blick wie eine einfache Beschaffungsfrage aussieht, stellt sich als hochkomplexe Herausforderung dar. Egal ob eine Privatperson einen Stromer kaufen und ihn in der Gemeinschaftstiefgarage aufladen, ein Fuhrparkbetreiber den CO2-Ausstoß seiner Flotte senken oder eine Supermarktkette ihren Kunden eine Lademöglichkeit für Pedelecs und E-Autos bereitstellen möchte, ohne fachkundigen Rat kann das teuer und frustrierend enden. Über 50 Gesetze, zahllose Standards und Technologien und gezielte Fehlinformationen in den sozialen Medien machen es einem nahezu unmöglich, die richtige Entscheidung zu treffen. Um einem interessierten Personenkreis hier Fakten an die Hand zu geben, hat die IHK Akademie Schwaben den Zertifikats-Lehrgang „Berater/-in Elektromobilität und alternative Antriebe IHK“ erstmals durchgeführt.
Augsburg, 25. Juli 2019. Sie sind extra aus Köln, Nürnberg, München und dem Umland von Augsburg angereist, die ersten „Berater*innen für Elektromobilität und alternative Antriebe IHK“. Die weite Fahrt haben sie auf sich genommen, weil es deutschlandweit kein vergleichbares Ausbildungsangebot gibt. In sieben in sich abgeschlossenen Modulen haben die Lehrgangsteilnehmer einen umfassenden Überblick über das komplexe und umfangreiche Feld alternativer Antriebe erhalten. Dabei wurden bewusst nicht nur Elektromobilität, sondern alle derzeit relevanten alternativen Antriebsformen geschult. Denn ohne die Kenntnisse anderer, umweltschonender Mobilitätstechnologien lässt sich nur unzulänglich ermitteln, welcher Lösungsansatz für welchen Fuhrpark der optimale ist. So haben die Teilnehmer auch Antriebsformen auf Basis von Erdgas, Wasserstoff, synthetischen Treibstoffen sowie regenerativen Kraftstoffen kennengelernt. Aber Elektromobilität wird die nächsten 15 Jahre die Nase vorne haben, nimmt Jan Dalhoff in sein Unternehmen aus der Fahrzeugtechnik mit.
Neben der Antriebstechnologie liegt ein wesentlicher Schwerpunkt der Ausbildung bei der benötigten Infrastruktur. Die Fragen, wie und wo kann ich meine Fahrzeuge betanken und welche Kosten und Risiken sind damit verbunden, sind stets von zentraler Bedeutung für Unternehmen und Kommunen. Und natürlich wird auch behandelt, wie ein Unternehmen seine eigene Infrastruktur aufbauen kann und in welchen Fällen das wirtschaftlich sinnvoll ist. Boris Lackovic wird in seine Beratungsgespräche zukünftig viel mehr Information einfließen lassen können und seine Kunden einen Mehrwert bieten.
Ein ganzes Modul beschäftigt sich intensiv damit, welche Fahrzeuge für welchen Einsatzzweck und welche Fahrzeugklasse verfügbar sind. Dabei werden neben Pkws auch Nutzfahrzeuge und Leichtfahrzeuge vom elektrischen Tretroller über Lastenfahrräder bis hin zum wasserstoffbetankten Omnibus betrachtet. Denn was hilft es, wenn zwar eine optimale Antriebstechnologie identifiziert wurde, die Infrastruktur bereitseht, es jedoch keine passenden Fahrzeuge gibt oder diese erst in einem Jahr oder später geliefert werden können.
Von zentraler Bedeutung sind in diesem Lehrgang auch rechtliche, versicherungs- und fördertechnische Belange. Immerhin gibt es für alternative Antriebe über 50 Gesetze und Verordnungen zu beachten, von Strategievorgaben der Europäischen Union über Bundesgesetze bis hin zu Landesverordnungen und kommunalen Satzungen. Und obwohl alternative Verkehrsmittel und deren Infrastruktur zum Teil großzügig gefördert werden, genügt ein kleiner Fehler bei der Antragstellung oder der Beschaffung um den Förderanspruch zu verwirken. Seinen Flottenkunden in dieser Hinsicht mehr Beratung bieten zu können, sieht Matthias Birkle als echte Bereicherung.
Teil des Lehrgangs sind aber auch Methoden zur kompetenten Beratung bis hin zu Rollenspielen in denen typische Verhandlungssituationen mit Fuhrparkleitern, Stromversorgern oder Vertretern des Baureferats anhand konkreter Aufgabenstellungen geübt werden können. Der Austausch zwischen den Teilnehmern und dem Lehrgangsleiter wurde intensiv gepflegt und das neue Netzwerk wird über den Lehrgang hinaus Bestand haben.
Lehrgangsleiter ist Andreas Varesi, Diplomingenieur für Elektrotechnik, erfahrener Berater und Dozent sowie seit über zehn Jahren in zahlreichen Elektromobilitätsprojekten der Europäischen Kommission und gemeinsam mit dem TÜV SÜD und Fraunhofer tätig. Ab 26. Mai 2020 werden sich wieder interessierte Teilnehmer für die sieben intensiven Seminartage in Augsburg zusammen finden. Fuhrparkmanager, Energieberater, Energiemanager, Meister, Techniker, Ingenieure, betriebliche Umweltbeauftragte, Berater aus Ingenieurberufen, Techniker in Stadtwerken, Tankstellenbetreiber und viele mehr profitieren davon.